Operativer Eingriff [Erfahrungsbericht]

Der Bereich für alle Anwendungen/Maßnahmen, die man selbst nicht ausführen kann. zB. Botox spritzen, Schweissdrüsenabsaugung, aber auch Psychotherapie usw.

Moderatoren: Simse, Dedee, Schweißbrille

fixit
Feuchtling
Feuchtling
Beiträge: 2
Registriert: 03.Jul 2014, 22:44
Geschlecht: Männlein

Operativer Eingriff [Erfahrungsbericht]

Beitragvon fixit » 17.Sep 2014, 22:34

Hallo miteinander,

ich war bisher nur lesend in diesem Forum, möchte jedoch nun meine Erfahrungen mit der Hyperhidrosis mit euch teilen.

Ich litt seit meinem geschätzten 7. Lebensjahr an starker Hyperhidrosis an den Händen, Füssen und Achseln. Die tägliche Belastung, vor allem durch das starke Schwitzen an den Händen war enorm. Ich versuchte jahrelang mein Manko zu verstecken, was immer mit logistischem Aufwand und teilweise komischen sozialen Reaktionen verbunden war. Ich fühlte mich auch in vielen Bereichen eingeschränkt, dadurch dass ich es einfach hasste meine schwitzig triefenden Hände zu nutzen. Seih es nur etwas zu kochen oder irgendwelches Werkzeug zu nutzen oder jemandem die Hand zu geben. Emotional hat mich diese Krankheit insofern belastet, dass ich kaum mit einer hübschen Dame längere Zeit verbringen konnte, ohne mich immer auf dieses verdammte Schwitzen zu konzentrieren. Geschweige denn Körperkontakt... Ihr kennt es, es bestimmt relative viele, viele, viele alltägliche Situationen.

Ich habe mich entschieden, etwas dagegen zu unternehmen und habe mich unter Anderem in diesem Forum über mögliche Behandlungsmethoden informiert. Angefangen mit einigen Handcremes - die gerade mal 15 Minuten nach dem, ich nenn ihn mal "Hyperhidrosis-Schub", wirkten. Ich bin dann auf die Iontophorese gewechselt und konnte erste Erfolge erzielen! Die Behandlung war wirkungsvoll, ich konnte jeweils ca. 1-2 Wochen Hyperhidrosis überbrücken. Mangels Eigendisziplin und Zeit bin ich jedoch immer wieder zurückgefallen und habe die Behandlung nicht durchgehend durchgeführt. Dadurch, dass ich immer viel unterwegs bin, konnte ich mir die 30 Minuten pro Tag nicht immer einplanen und das entsprechende Gerät dabei haben. Wirkung OK, logistisch leider die falsche Lösung.

Ich habe mir dann gesagt, da muss eine permanente Lösung hin, ich mag Symptombekämpfung nicht!

Botox ist für mich aus dem Rennen gefallen, da dies eine langjährige, teure und schmerzhafte Behandlung nach sich zieht und auch nur eine Wirkungsdauer von 2-6 Monaten verspricht. Ich habe mich dann für einen operativen Eingriff entschieden, der einen Schlussstrich ziehen soll.

Mir wurden ausschliesslich die für die Hände zuständigen überreagierenden Nervenstränge mittels eines operativen Eingriffs durchtrennt. Die Operation an sich ist, obwohl risikobehaftet, hervorragend abgelaufen und ich bin mit dem Ergebnis überaus zufrieden. Ich habe seitdem trockene und warme Hände. Ich KANN sogar noch in einem gesunden Mass ganz leicht an den Händen schwitzen, sodass die Hände nicht austrocknen. Es kann aber nicht mehr durch Stress ausgelöst werden. Mir scheint es, als ob nur noch das natürliche, durch Hitze ausgelöste Schwitzen aktiv ist. Es handelt sich hierbei aber um ein um Faktoren schwächeres Schwitzen - überhaupt nicht störend. Wenn ich die Hyperhidrosis selbst provoziere, spüre ich noch die "Welle" in mir, jedoch bleibt das Schwitzen aus :lol:

Es geht sogar noch weiter:
Jeder von euch kennt den Teufelskreis - man beginnt zu schwitzen - denkt sich "bitte nicht!" - man schwitz noch mehr. Oder der reine Gedanke an die Hyperhidrosis löst das ganze schon aus. Bei mir ist dieser Teufelskreis VERSCHWUNDEN:
Somit sind auch Füsse und Achseln "geheilt". Denn diese drei Stellen waren bei mir immer miteinander verbunden. Sobald ich an den Händen schwitze, schwitze ich auch an Achseln und Füssen. Dadurch, dass sich auch dieser psychische Effekt in Luft aufgelöst hat, sind die anderen betroffenen Stellen auch besser! An diesen Stellen schwitze ich nun nur noch ca. 1/10 mal soviel wie vorher.

Bisher bin ich top zufrieden und fühle mich wie ein neuer Mensch!

Annika28
Feuchtling
Feuchtling
Beiträge: 12
Registriert: 28.Mai 2014, 10:59
Geschlecht: Weiblein

Re: Operativer Eingriff [Erfahrungsbericht]

Beitragvon Annika28 » 03.Nov 2014, 16:29

Hallo fixit,

ich habe mir deinen Erfahrungsbericht durchgelesen und bin wirklich beeindruckt. Es freut mich für dich, dass es bei dir so gut geklappt hat und du quasi schwitzfrei bist.

Kannst du darüber vielleicht noch mehr erzählen? Was hat dein Arzt dazu gesagt und wie bist du drauf gekommen?

Viele Grüße

Annika

fixit
Feuchtling
Feuchtling
Beiträge: 2
Registriert: 03.Jul 2014, 22:44
Geschlecht: Männlein

Re: Operativer Eingriff [Erfahrungsbericht]

Beitragvon fixit » 31.Dez 2014, 13:38

Da ich einen guten Kontakt mit meinem Hausarzt pflege, war das kein Problem. Ich habe ihm meine Situation geschildert und er hat mich unbürokratisch an einem namhaften Universitätsspital angemeldet.

Bei den Besprechungen am Spital hat man mich ausführlich über die Risiken informiert. Die Entscheidung war für mich - trotz den einhergehenden und nicht zu unterschätzenden Risiken - jedoch eindeutig. Wenn man nichts riskiert, bleibt man stehen wo man ist. Klar, es hätte auch schief gehen können und dann wäre ich womöglich nicht so begeistert. Die Ärzte vor Ort waren aus meiner Sicht äusserst kompetent und ich vertraute in ihr Handwerk. Die längerfristigen Auswirkungen - wie beispielsweise Emotionslosigkeit oder wiederkehr der Hyperhidrosis - werde ich sehen. Ich bin aber zuversichtlich. Bisher haben sich bei mir nur die positiven Auswirkungen bemerkbar gemacht :D . http://wissen.schwitzen.com/schwitzen/therapiemoeglichkeiten/item/583-ets-sympatikus-nerv-durchtrennung.html

Die Operation ansich lief für mich völlig unproblematisch ab. Eingeplant waren rund 5 Tage Spitalaufenthalt, ich konnte jedoch bereits am 2. Tag das Spital verlassen. Anfangs hatte ich etwas Schmerz beim Atmen und war noch etwas eingeschränkt in der Bewegungsfreiheit durch die genähten Schnitte. Es waren auf beiden Seiten unter den Achseln jeweils 3 Schnitte nötig, um an den Lungen vorbeizukommen und die entsprechende Stelle zu bearbeiten. 2 der 6 Narben sieht man heute noch, sind für mich aber keineswegs störend.

Ich hatte vor Kurzem mehrere Bewerbungsgespräche. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre mit Hyperhidrosis in diese Gespräche gegangen, hätte ich niemals das ganze Gespräch über so souverän bleiben können. Ich wäre bereits schon von Beginn an in diesen Teufelskreis geraten und mein Selbstwertgefühl wäre ins bodenlose gefallen.


Zurück zu „Hyperhidrose - Ärztliche Anwendungen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast